Julia

Was ist für dich Schönheit?
Ich finde Menschen schön, die in sich ruhen, die mit sich zufrieden sind, die sicher sind. Schön finde ich Dinge und Menschen, die ich gerne betrachte. Ausgefallene Looks, Symmetrie, Natur. Aber leider finde ich auch “Dank” meiner Sozialisation vieles schön, was gesellschaftlich vorgegeben ist: schlanke Menschen, junge, glatte Haut …

Was denkst du, warum sind Frauen so kritisch mit sich selbst?:
Jeden Tag prasseln zig-tausende gefakte Bilder auf uns ein, darauf Frauen, die Dank Photoshop, Stylist*innen, Personal Trainer*innen, ihrem Job als Model perfekt aussehen. Perfekt und unerreichbar. Nirgends sind “normale” Körper zu sehen. Cellulite wird als Makel bezeichnet, der weg soll, dabei ist es etwas Normales. Gesellschaftlich lernen wir, dass wir auch möglichst perfekt aussehen sollen. Das hält ja auch die Wirtschaft am Laufen (Kosmetikprodukte, Behandlungen, Klamotten, Zeitschriften, Ratgeber, Trainer*innen…).

Hast du einen Tipp?
Es wäre hilfreich, viel mehr “normale” Körper zu sehen (und nein, perfekte “Übergrößenmodels” in 42, an denen alles straff ist, helfen auch nicht), ungeschminkt, mit Dellen und Fett. Es darf keine Fat-Diskriminierung mehr geben. Sport soll Spaß machen / gut tun und mehr nicht. Das oberste Ziel für Frauen sollte nicht abnehmen sein.
In Kinderbüchern und -serien sollten diverse Mädchen zu sehen sein. Bei denen es um ihren Grips und ihre Kreativität geht und nicht ums Süß-Sein. Sie dürfen nicht mit “erwachsenen” Figuren bzw. sexualisiert gezeigt werden. Mädchen sollten wir anders loben. Nicht mehr “du bist ja süß” oder “schönes Kleid”. Auch wir Frauen untereinander sollten uns andere Komplimente machen! Für die Farbe des Shirts, die kreative Klamottenwahl, das Lachen – und nicht für Gewichtsabnahme!

Ich mag an mir…
…meine Locken. Nach langem Kampf mit mir, weil ich gerne mehr/dicke Haare hätte, mag ich sie jetzt doch gerne, weil sie lebendig sind, eine Art Markenzeichen und sie spiegeln meine Laune wieder.
Ich mag auch, dass ich Brille trage. Ich mag es, die Brillen auf mein Outfit abzustimmen. Uns sie stehen mir. Ich mag meine Zähne, denn sie sind sehr gesund und unauffällig.
Ich mag mein Lächeln. Jemand sagte mal, damit könnte ich Straßenzüge erhellen.

 

Foto: Romy Geßner