Tomma

Was ist für dich Schönheit?
Für mich gibt es sehr viele Facetten von Schönheit, wobei ich damit weit mehr als „nur“ äußere Merkmale verbinde. Schön sind für mich Menschen mit Ausstrahlung. Schönheit ist daher aus meiner Sicht eine innere Haltung. Eine Präsenz, die individuell ist und meist dann entsteht, wenn wir gar nicht darüber nachdenken, weil wir in den Momenten ganz bei uns sind. Zum Beispiel, wenn wir gerade aufwachen und mit einem Becher Kaffee oder einem Glas Tee noch etwas verträumt aus dem Fenster schauen. Schön können auch Narben sein. Weil sie Geschichten erzählen oder uns sogar mit einem Menschen verbinden.
Unabhängig davon, wie wir gekleidet oder geschminkt sind, ob wir groß oder klein, dick oder dünn sind – Schön wirken wir meist genau dann, wenn wir ganz bei uns sind und uns nicht vergleichen.

Was denkst du, warum sind Frauen so kritisch mit sich selbst?:
Wir sind stets im Konkurrenzkampf und vergleichen uns. Bewusst und unbewusst. Wir wollen immer die Beste sein. Wir vergleichen uns mit dem medial erzeugten „optimalen“ Frauenbild, aber auch untereinander. Erst recht in Zeiten von Social Media. Mit der Nachbarin, die stets gut gekleidet aus dem Haus geht. Mit der Freundin, die so unglaublich sportlich ist. Mit der Kollegin, die scheinbar immer gut gelaunt scheint und mühelos Familie und Karriere unter einen Hut bekommt und dabei immer noch gut aussieht. Während wir bei all den andern stets nur die schöne Seite wahrnehmen, schauen wir bei uns selbst stets auf die Makel, statt den Fokus auf genau die Aspekte zu legen, die wir an uns mögen.

Hast du einen Tipp?
Ich denke, ein banales Beispiel zeigt, wie wir Frauen mit uns selbst umgehen: Ich bekomme ein Kompliment zu meinem Oberteil. Statt es mit einem „Danke!“ und einem Annehmen des Kompliments zu beantworten, sagen wir: „Hat nur XY Euro gekostet.“. Oder: „Oh, das hab ich schon ganz lange“. Damit reduzieren wir die Wirkung, statt uns über die lieben Worte zu freuen. Und genau das ist es, was wir im Kleinen ändern können. Komplimente annehmen und uns vor allem viel öfter welche machen: nicht nur für äußere Merkmale, sondern einfach dafür, dass wir genau so sind, wie wir sind. Diese Komplimente sollten wir nicht nur uns gegenseitig machen, sondern auch uns selbst!

Wir könnten auf unseren Social Media Kanälen nicht nur die schönen Seiten des Lebens zeigen, sondern bewusst auch den Alltag. Oder unser Bewusstsein schärfen, dass Instagram und Co. nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines Menschen ist, nicht aber der Alltag. Wir könnten jede Woche immer öfter mal aus unserer Komfortzone treten. Bilder ohne Make-Up posten oder genau so vor die Tür gehen statt uns hinter Puder, Mascara und Co. zu verstecken.

Oder wir nehmen an großartigen Projekten wie diesem Teil und fördern so mehr und mehr ein realistisches Frauenbild! Auf dass die Unternehmen und Medien wieder nachziehen. Denn das ein oder andere sehr gute Beispiel hat es in der Vergangenheit gegeben und gezeigt, wie positiv die Resonanz darauf war.

Ich mag an mir…
Ich mag meine Augen und meine langen Haare. Und die kleinen Grübchen, wenn ich lache. Und ganz besonders mag ich meine Lachfalten, weil sie mich an schönen Momente erinnern. Am meisten aber mag ich mein großes Herz und mein Köpfchen, denn genau die beiden machen zusammen mit den Äußerlichkeiten meine ganz individuelle Ausstrahlung aus.

 

Foto: Romy Geßner