Egal ob selbständig, Unternehmerin oder festangestellt – das liebe Geld begleitet uns ein Leben lang. Und irgendwie ist es selten genug.

Seit ich selbst mit Geld umgehe, hab ich mir nie wirklich Gedanken über eine Strategie im Umgang damit gemacht. Es war irgendwie immer genug für alles da. Bis ich mich selbständig machte und feststellte, dass ständig und immer aus irgendeiner Ecke noch eine weitere Rechnung anwehte. Irgendwie versuchte ich mich über Wasser zu halten – leider nicht die beste Strategie. Seit über einem Jahr nun setzte ich mich aktiv mit dem Thema Geld auseinander, um ein besseres Verhältnis dazu zu bekommen und meine Zukunft auf stabile Beine zu stellen.

In dem Zuge las ich das Buch Worth It von Amanda Steinberg (auf Englisch)* und bin sehr begeistert. Die wichtigsten Erkenntnisse stelle ich euch hier vor.

 

Über Amanda Steinberg

 

Amanda Steinberg gründete das Unternehmen Daily Worth mit dem sie Frauen hilft, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. In ihrem Buch beschreibt sie sehr detailliert ihre eigene Geschichte: ihre Kindheit, wie sie als beruflich und privat erfolgreiche Frau trotzdem in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Die persönliche Ebene zieht sich durch das gesamte Buch, das hat mir besonders gut gefallen. So bleibt das Thema verständlich und schweift nicht auf eine abstrakte Ebene ab.

 

Deine Geldgeschichte und das Geldkoma

 

Ihre Erkenntnis: bevor du dich ans Budgetieren machen kannst, solltest du dich mit deiner „Money Story“, also deiner eigenen Geldgeschichte auseinandersetzen. Welche Glaubenssätze hast du zum Thema Geld? Was denkst du, wie viel du brauchst und warum willst du viel oder nicht so viel Geld? Ist Geld für dich positiv oder negativ besetzt? Was bedeutet es viel oder wenig Geld zu haben? Das sagt viel über dich aus und darüber, was du denkst, was wirklich möglich ist.

Eng verbunden mit der „Money Story“ ist das „Money Coma“: Das ist die Art, wie wir mit unseren Geldproblemen umgehen. Man denkt sich „irgendwie wird sich das schon regeln“ und steckt den Kopf in den Sand. Eine schöne Metapher für mein „mich irgendwie über Wasser halten“. Ich wollte mich der Realität nicht stellen und hoffte, dass es sich schon alles irgendwie von allein zum Guten wendet.

 

Ab Seite 50 gibt Amanda Tipps, wie man sich seiner eigenen Story widmen kann und diese für die Zukunft umschreiben kann, wie man einen Weg aus dem Geldkoma findet.

So versucht man über kleine Änderungen, sein Denken zum Thema Geld ins Positive zu wandeln.

 

Net Worth

 

Um zu beurteilen, ob du auf einem finanziell guten Weg bist, solltest du deinen Net Worth (dein Nettovermögen/Reinvermögen) berechnen. Heißt du ziehst deine Schulden und Verbindlichkeiten von deinem Vermögen ab. Die Zahl, die dann da rauskommt, sollte positiv sein und steigen. Zum Vermögen zählen nicht nur Gelder sondern auch dein Auto, deine Eigentumswohnung, Rentenbeträge usw., die Schulden umfassen Kredite, Hypotheken, offene Summen für Autos oder das Studium. Ist der Betrag negativ, sollte man nicht verzweifeln, sondern in Richtung positives Reinvermögen arbeiten.

 

Flügel und Wurzeln

 

Was man mit seinem Geld machen sollte, teilt Amanda in die Bereiche Flügel und Wurzeln ein. Die Wurzeln sind deine Rente, langfristige Investitionen und sonstige Vermögen, an die man nicht sofort rankommt, die dir deine Zukunft sichern. Flügel hingegen sind dein Einkommen, dein Barvermögen und deine Sparkonten, also Geld, an das du sofort rankommst.

Die meisten Menschen denken beim Budgetieren zuerst an die Flügel: wie gebe ich mein Geld aus und wie kann ich das optimieren. Amanda empfiehlt zuerst auf die Wurzeln zu schauen: was brauche ich später, wo kann ich investieren, damit es mir später auch noch gut geht. Danach geht es dann an den Plan für kurzfristige Ausgaben.

 

Interessant fand ich an der Stelle die Beispiele (inkl. Zahlen). Es wird sehr gut verdeutlicht, wie jemand trotz sehr hohem Einkommen ein schlechtes Reinvermögen haben kann und jemand mit einem niedrigeren Einkommen dank guter Strategie wesentlich besser dasteht.

 

Hier geht Amanda auf den Selbstwert ein. Für viele von uns ist sparen und in die Zukunft investieren negativ besetzt, bedeutet es doch heute, dass man sich einschränken muss. Ein veränderter Blickwinkel kann helfen: ich investiere in mich selbst. Ich bin es mir wert, auch später ein gutes Auskommen gesichert zu haben.

 

Unseren Selbstwert, also der Wert, der Frauen gegeben wird, ist gesellschaftlich gesehen auch nicht der beste: so sind Entscheidungsstärke, Unabhängigkeit und Zielstrebigkeit eher männliche Charaktereigenschaften, die mit Führungsstärke assoziiert werden. Frauen werden eher mit Unterordnung, nett sein, sich um andere kümmern und Rücksichtnahme assoziiert. Das macht sich auch im Berufsleben bemerkbar: zeigen sich Männer Führungsstärke, gelten sie als selbstbewusst und stark, Frauen als arrogant und aggressiv. Zeigen Frauen weibliche Verhaltensweisen, werden sie als nett wahrgenommen aber beruflich nicht respektiert. Sie gelten als zu weich und emotional, um eine Führungsposition wahrzunehmen.

Wenn Frauen sich also eher um sich kümmern, statt um andere, denken sie oft, sie wären egoistisch und fühlen sich unwohl – dabei ist es ihr gutes Recht, sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern.

 

Geldstrategie

 

Wie soll man nun sein Geld sortieren?

1. Notfallkonto

2. Schulden minimieren

3. Altersvorsorge

4. Investitionen

 

Zuerst sollte man sich ein Notfallkonto anlegen. Hat man dort Rücklagen für mindestens einen Monat angelegt, werden die Beiträge, die man zur Seite legt auf die Rückzahlung von Schulden und das Sparen auf dem Notfallkonto aufgeteilt, bis auf dem Notfallkonto eine Rücklage für 3 Monate (für Selbständige besser 6 Monate) angespart wurde.

Warum? Zahlt man nur Schulden zurück und legt sich kein Notfallposter an, muss man bei unvorhergesehenen Dingen neue Schulden machen.

 

„Bucketing“ statt Budgetieren

 

Nun weißt du in welche Bereiche du Geld stecken musst. Aber wie viel genau?

Amanda empfiehlt nicht kleinteilig zu planen, sondern in größeren Einheiten zu denken:

Du teilst dein Geld in „money in“ und „money out“ ein. „Money in“ ist dein Einkommen nach Steuern. „Money out“ sind die Bereiche Sparen, Lebensunterhalt und Geld ausgeben. Sparen (ca. 20% deines Einkommens) betrifft dein Notfallkonto, deine Rücklagen für unerwartete finanzielle Situationen, Rente, Sparkonto. Lebensunterhalt (ca. 60% deines Einkommens) betrifft alle laufenden festen monatliche/jährliche Kosten. Dann stehen dir idealerweise noch einmal 20% deines Einkommens für alle sonstigen Ausgaben zur Verfügung: also Luxusartikel, Kino, Geschenke usw.

 

Meine Wurzeln oder wie lege ich mein Geld an?

 

Es gibt viele Wege, wie man sein Geld anlegen kann. Für viele ist ein Haus- oder Wohnungskauf das Naheliegendste. Amanda gibt basierend auf ihrer Eigenen Geldgeschichte und ihrer eigenen Erfahrung tolle Anregungen, wie man sich dem Gedanken, Eigentum zu kaufen, näher kann und wie man entscheidet (und berechnet), ob es wirklich die beste Lösung ist.

 

Zum Thema Altersvorsorge sind die Tipps sehr US-lastig. In Deutschland funktioniert das Rentensystem (insbesondere für Festangestellte) anders, aber die Tipps sind trotzdem interessant und in weiten Teilen umsetzbar.

 

Eine weitere Möglichkeit: ein eigenes Business. Das funktioniert jedoch nur, wenn man ein Unternehmen aufbaut, das für andere interessant ist, die dann investieren oder dir Unternehmensanteile oder das gesamte Unternehmen abkaufen. Eher riskant. Aber auch hier gibt sie gute Anregungen.

 

Amanda gibt auch Tipps dazu, wie man einen guten Finanzberater findet. Dennoch sollte man sich immer informieren. Letztlich ist und bleibt es mein Geld. Werde ich schlecht beraten, ist es mein Geld, das verloren ist. Es ist meine Zukunft, die auf dem Spiel steht.

 

Bei Investitionen (also in Aktien) empfiehlt sie den eher risikoscheuen Anlegerinnen eine passive Variante. Es gibt „managed Fonds“, bei denen automatisch Aktien ge- und verkauft werden. Ein weiterer Tipp: nicht vorschnell verkaufen. Aktien steigen langfristig fast immer wieder.

 

Bevor du dich deinem Ausgabeverhalten widmest, kannst du einen Test machen, um herauszufinden, was für ein Geldtyp du bist. Gemeinsam mit Dr. Jennifer Leigh Selig hat sie den Test entwickelt, mit dem du herausfindest, welche Wurzeln für dich am geeignetsten sind: www.moneytype.me. Es gibt 5 Typen. Im Buch geht Amanda auf alle ausführlich ein: was dich ausmacht und was deine Herausforderungen sind.

 

Flügel oder was mache ich mit meinem Einkommen

 

Solopreneuren, also Einzelunternehmern und Freelancern empfiehlt Amanda, sich ein festes monatliches Gehalt zu zahlen sowie einen Jahresbonus – genau wie in einer Festanstellung. So vermeidet man, Geld auszugeben, das man besser zur Seite gelegt hätte. Das funktioniert natürlich nur, wenn man ausreichend Einkommen hat und nicht von der Hand im Mund lebt.

 

In diesem Kapitel widmet sich Amanda ausführlich den ganzen Herausforderungen, die einen beim Geldausgeben erwarten: Die meisten Menschen, die am Monatsende kein Geld mehr übrig haben, geben einfach zu viel aus. Das lässt sich ändern. Dazu gibt es viele Tipps:

 

Emotionales Shoppen: Frag dich, warum du gerade Geld ausgibst. Selten hat das damit zu tun, dass du wirklich etwas benötigst. Wir geben Geld aus weil wir gestresst sind, frustriert, traurig, müde … finde heraus was dein Grund ist und überleg dir, wie du dir etwas Gutes tun kannst, ohne zwingend Geld ausgeben zu müssen.

 

Plane ein „Spend-free weekend“: Ein ganzes Wochenende kein Geld ausgeben. What?! Du kaufst am Freitagnachmittag alle Lebensmittel ein, die du fürs Wochenende benötigst und gibst dann bis zum Montag kein Geld mehr aus. Was kann man unternehmen, das nichts kostet? Ganz schön spannend!

 

Frauen kaufen oft für andere: um ihnen etwas Gutes zu tun, um sich zu kümmern, um anderen zu gefallen. Das hat auch damit zu tun, wie wir wahrgenommen werden möchten. Wir kaufen oft Dinge, weil wir uns vorstellen, wie es wäre sie zu benutzen … und benutzen sie am Ende dann doch nicht (Küchengeräte z.B.). Frage dich, ob du da jetzt wirklich kaufen willst. Oder fühlst du dich genötigt? Musst du wirklich jedes Mal etwas mitbringen, wenn du deine Freundin besuchst? Muss es für die Party wirklich ein neues Kleid sein? Mach es dir bewusst und überlege, ob es dir das Geld wert ist.

 

Geld ausgeben mit Strategie

 

Bis vor einem Jahr hatte ich keine Strategie, was das Geldausgeben anging. Ich zahlte Rechnungen, wenn sie reinkamen, gönnte mir etwas, wenn ich Geld übrig hatte. Und wunderte mich, warum ich eigentlich so selten zum Sparen kommen. Ich weiß, ich bin nicht die Einzige, die so mit ihrem Geld umging/umgeht.

 

Amanda gibt Tipps, wie man mit Strategie sein Geld ausgibt:

 

Immer wenn du spontan Geld ausgeben möchtest, frag dich warum und überlege, ob du dieses Bedürfnis befriedigen kannst, ohne Geld auszugeben. Nur so gibst du wirklich bewusst Geld aus.

 

Oft sagen wir, wir haben so und so viel Geld gespart, wenn wir ein Schnäppchen ergattert haben. Letztlich haben wir aber Geld ausgegeben. Gespart haben wir nur, wenn wir den Differenzbetrag zum Originalpreis auf unser Sparkonto überweisen oder gar den Betrag, wenn wir doch kein Geld ausgegeben haben. Sie empfiehlt außerdem: Will ich mir ein Kleid für 100€ kaufen, sollte ich weitere 100€ auf mein Sparbuch überweisen. Ist das nicht drin, sollte ich die 100€ für das Kleid lieber nicht ausgeben. Ein gutes Maß, um zu prüfen, ob man sich ein Luxusgut wirklich leisten kann.

 

Gib nur Bargeld aus und lass deine Kreditkarten zu Hause. So kannst du bei Spontankäufen nicht zu viel Geld ausgeben.

 

Geh alleine einkaufen. Oft geben wir in Gesellschaft mehr Geld aus, weil wir uns verleiten lassen. Das ist wie beim Essen.

 

Durchbrich Routinen. Wenn du bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten einkaufen gehst, ändere diese. So kommst du aus dem Trott raus und es fällt dir leichter neue Geldgewohnheiten zu etablieren.

 

Kleine Käufe. Wenn du doch mal aus eher emotionalen Gründen Geld ausgeben „musst“, halte die Käufe klein: eine Zeitschrift, Blumen, einen Lippenstift. So ist das Loch im Geldbeutel und das folgende schlechte Gewissen nicht zu groß.

 

Geh nicht traurig, müde, frustriert, wütend oder hungrig einkaufen. In solchen Situationen neigen wir dazu, das Falsche und zu viel zu kaufen. Mach dir deine Gefühle bewusst und versuche dir auf andere Weise etwas Gutes zu tun.

 

4 wichtige Ausgabefelder

 

Um es sich im Alltag einfacher zu machen, empfiehlt Amanda, sich 4 Bereiche zu überlegen, die dir wichtig sind und für die du Geld ausgeben möchtest. Diese nennt sie „non-negotiables“. Das kann sein: 1x Urlaub im Jahr für 2 Wochen, 2x Mittagessen unter der Woche mit Kollegen, 1x Essen gehen mit dem Ehemann am Wochenende, eine bestimmte Summe für Kleidung im Monat/Jahr. 4 Bereiche legst du selbst fest und alles andere wird dem untergeordnet. In allen anderen Bereichen wird lieber gespart als Geld auszugeben.

 

Abschließend gibt es noch Tipps für den Alltag:

 

Überprüfe regelmäßig, ob du eine Geld betreffende Entscheidung triffst und deine Geldgeschichte oder dein Geldkoma dahinterstecken oder ob diese Entscheidung auf deiner neuen Strategie basieren.

 

Stelle Sparen über Geldausgeben. Wenn du Geld für Luxusartikel ausgibst, überweise den gleichen Betrag auf dein Sparkonto.

 

Lebe möglichst unter deinen Möglichkeiten. Gib nicht alles Geld aus, das du zur Verfügung hast. Halte dich an dein neue Strategie.

 

Mache dir bewusst, was dir wirklich wichtig ist und investiere in diese Dinge. Investieren kann in diesem Fall auch sparen bedeuten.

 

Behalte immer dein Reinvermögen im Hinterkopf und sorge dafür, dass du dich in Richtung eines positiven Werts bewegst.

 

Finanzielle Rückschläge sind ganz normal. Es gibt keinen „normalen“ Monat. Es wird immer etwas Unerwartetes passieren. Das heißt nicht, dass du nicht mit Geld umgehen kannst. Du musst für diese Dinge vorsorgen und ggf. kreativ werden.

 

Fotografin Romy Geßner Hamburg

 

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut geschrieben. Es ist auf Englisch und widmet sich stark dem US-Markt. Aber durch die vielen praktischen Beispiele, Amanda Steinbergs persönliche Geschichte, die immer wieder einfließt, und die sehr gute Gliederung mit vielen Zwischenüberschriften auf fast jeder Seite, lässt sich das Buch sehr gut lesen und verstehen.

 

Übrigens: Meine Finanzen verwalte ich mit YNAB. Das ist ein Budgetierungstool, das besonders für Freiberufler mit variablem Einkommen geeignet ist. Ausprobieren kann man das Tool 34 Tage kostenlos – mit diesem Link bekommst du bei Buchung für ein Jahr (99$) sogar weitere 34 Tage kostenlos on top – genauso wie ich. Yay, win-win. Nichts wie los und Geld verwalten!

 

Wie gehst du mit deinem Geld um? Eher spontan oder mit Strategie? Berichte mir davon in den Kommentaren!

 

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